Rundfunkpreis Mitteldeutschland Bürgermedien verliehen

08.09.2017

Im Rahmen einer festlichen Gala wurden am Freitagabend (8. September) im Halleschen Volkspark die besten ehrenamtlichen Radio- und Fernsehmacher und -macherinnen Mitteldeutschlands ausgezeichnet. Insgesamt waren 134 Beiträge eingereicht worden. Davon kamen 25 Beiträge aus Sachsen, 66 aus Sachsen-Anhalt und 43 aus Thüringen.

Die Jury, bestehend aus Herrn Reinhard Müller, Mitglied der Versammlung der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM); Herrn Torsten Cott, freier Redakteur beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR); Herrn Dr. phil. habil. Florian Mundhenke, Universität Leipzig; Herrn Gerd Köhler, Gremienmitglied der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) und Herrn Detlef Hecke, Mitglied der Versammlung der Medienanstalt Sachsen-Anhalt würdigte das hohe Engagement der zahlreichen Nutzerinnen und Nutzer Nichtkommerzieller Lokalradios, Offener Kanäle, Ausbildungs- und Erprobungskanäle, Bürgerradios und Medienbildungszentren, die selbstbewusst und kritisch die zahlreichen Möglichkeiten nutzen, die moderne Bürgermedien in Mitteldeutschland bieten.

Der Einladung der mitteldeutschen Landesmedienanstalten SLM (Sachsen), Medienanstalt Sachsen-Anhalt und TLM (Thüringen) folgten neben rund 280 ehrenamtlichen Radio- und Fernsehmachern eine Vielzahl von Vertretern aus Politik, Medien und Wissenschaft.

"Seit mehr als 20 Jahren ergänzen Bürgermedien die mitteldeutsche Medienlandschaft und leisten einen wertvollen Beitrag zur Medienvielfalt, zur Meinungsfreiheit und zur Vermittlung von praktischer Medienkompetenz“, erläuterte Martin Heine, Direktor der Medienanstalt Sachsen-Anhalt.

Marco Tullner, Bildungsminister des Landes Sachsen-Anhalt, freute sich in seinem Grußwort über die Leistungen der vielen ehrenamtlichen Radio- und Fernsehmacher und ihr hohes bürgerschaftliches Engagement.

Die glücklichen Gewinner des mit je 1.500 Euro dotierten Preises für die besten Beiträge in der Kategorie "Erwachsene" im Hörfunk sind Lukas Holfeld von Radio Corax in Halle für seinen Beitrag „Forumstheater in der Jugendanstalt Raßnitz“ und im Fernsehen Thomas Richardt vom Offenen Kanal Wernigerode für seinen Beitrag „Another world is possible“.

Die ebenfalls mit je 1.500 Euro dotierten Preise für die besten Beiträge beim Nachwuchs bis 18 Jahre gingen im Hörfunk an die Klasse 9 der Oststadtschule Eisenach für ihren Beitrag „Von der Wartburg in die Welt“ und im Fernsehen an einen Film von Helena Winter und Natalie Hinze mit dem Titel „Lost Places in Görlitz“ .

Über die von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG gestifteten Sonderpreise (jeweils 500 Euro) zum Thema „Europa und die Region“ freuten sich Florence von der Weth aus Weimar für ihren Radiobeitrag „30 Jahre Lebenslaute“ und das Team um Viktoriia Bilash und Hovhannes Martirosyan aus Magdeburg für den Fernsehbeitrag „Eurocamp 2016 – Reformation 2.0“.

Länderpreise in Höhe von jeweils 500 Euro wurden an Produzentinnen und Produzenten vergeben, die in ihren Beiträgen eine eigene Sichtweise auf länderspezifische Themen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erkennen ließen. Sie gingen nach Gera, Halle, Leipzig, Merseburg und Weimar.

Mit der Verleihung des Bürgermedienpreises 2017 wurde die seit Jahren erfolgreiche Zusammenarbeit der mitteldeutschen Landesmedienanstalten fortgesetzt und weiter vertieft.

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Anlage zur Pressemitteilung der AML vom 8. September 2017


Preisträger des Rundfunkpreises Mitteldeutschland 2017 – Bürgermedien Hörfunk und Fernsehen


Kategorie „Bester Beitrag Nachwuchs - Hörfunk“

1. Preis (1.500 Euro)
Klasse 9 der Oststadtschule Eisenach, Staatliche Gemeinschaftsschule - Luther-Projekt „Von der Wartburg in die Welt“, Wartburg-Radio 96,5 in Eisenach

Luther ist in diesem Jahr in aller Munde und es scheint, dazu ist fast alles gesagt. Aber eben nur fast. Mit dem Beitrag zeigen die Schüler der Oststadtschule eindrücklich, was uns Luther auch heute noch zu sagen hat. Und wie man seine Ideen und Gedanken als RAP einem jungen Publikum nahebringen kann. Viele davon haben ja an Aktualität nichts verloren. Der Beitrag ist mit einem Augenzwinkern produziert und kommt eben nicht pädagogisch daher. Den Schülern ist es gelungen, den Hörern ihre Sicht auf Luthers Leben und sein Erbe in einem abwechslungsreichen und unterhaltsamen Radiobeitrag nahezubringen. Das hat die Jury überzeugt.

Nominierte Beiträge (jeweils 250 Euro)
Hannah Kubeile, Faysal Houas, Tobias Junghanns „Slam Poetry in Jena“, Radio OKJ in Jena
und
Justin Ehegötz „Die stillen Helden des Alltags“, Wartburg-Radio 96,5 in Eisenach


Kategorie „Bester Beitrag Nachwuchs - Fernsehen“

1. Preis (1.500 Euro)
Helena Winter, Natalie Hinze „Lost Places in Görlitz“, SAEK Magazin (Dresden Fernsehen)

Zuerst schöne Bilder von Görlitz, dann zwei Beispiele von Orten, die einmal auch schön und einmal wichtig für Görlitz waren. Das Freise-Bad in der Dr.-Kahlbaum-Allee 22 und der Güterbahnhof. Es sind zwei Einrichtungen, die im vergangenen Jahrhundert modern und zukunftsweisend waren. Doch Zeiten ändern sich, Wichtiges wird unbedeutend, aus den verschiedensten Gründen heraus. Helena Winter und Natalie Hinze dokumentieren ausgesprochen sachlich Plätze ihrer - wie ich vermute - Heimatstadt. Kein Klagen und auch kein erhobener Zeigefinger, wie so oft, sondern sie geben einfach ihrer Hoffnung Ausdruck, dass diese beiden geschichtlichen Gebäude der Stadt erhalten bleiben und eine Nutzung finden. Dem Zuschauer bleibt überlassen, seine Schlüsse zu ziehen. Das bringt ihn/uns zum Nachdenken und macht den Beitrag spannend, lässt uns weiter interessiert zuhören und -sehen. So ganz nebenbei macht er auch etwas Lust darauf, dieses Görlitz mal zu besuchen. Wir finden, dass dieser Beitrag den 1. Preis in der Kategorie Fernsehen – Nachwuchs verdient hat.

Nominierte Beiträge (jeweils 250 Euro)
Filmclub Gera-Pforten e.V./Neulandfilm „Werbung Dry“, Thüringer Medienbildungszentrum der TLM in Gera
und
14 junge Medienmacher/-innen in Zusammenarbeit mit dem SAEK Chemnitz „Kulturerbe reloaded – Traditionelles Handwerk im Erzgebirge“, SAEK Magazin (Sachsen Fernsehen)



Kategorie „Bester Beitrag Erwachsene - Hörfunk“

1. Preis (1.500 Euro)
Lukas Holfeld „Forumstheater in der Jugendanstalt Raßnitz“, Radio Corax Halle

Ein sich Zeit nehmender Beitrag über die Arbeit des Forumstheaters in der Jugendanstalt Raßnitz. Der Vorgang, dass jugendliche Strafgefangene Theater machen, beschreibt einen Prozess, der nicht spektakulär sein soll, sondern warum und mit welchem Ziel die Leitung der Anstalt dieses Anliegen unterstützt. Es wird beschrieben, wie sehr der Inhalt des Theaterstückes mit der erzieherischen Arbeit des Gefängnispersonals verknüpft ist und dennoch Theater bleibt. Die Interviewpartner berichten, wie professionell sie das Stück mit den Gefangenen erarbeitet haben und welche künstlerischen Kriterien dabei eine besondere Rolle spielten. Wichtig dabei, die Erfahrungen der Menschen "drinnen" und die Erwartungen der Menschen "draußen" einfließen zu lassen. Der Beitrag ist eines "Kulturradios" würdig. Er macht es dem Hörer nicht einfach, aber er macht neugierig auf die Arbeit dieses in Sachsen-Anhalt agierenden Theaters. Die Arbeit im Gefängnis ist nicht Selbstzweck, sondern eine Auseinandersetzung mit der heutigen Gesellschaft. Thema und Darstellung sind so gewählt, dass der Zuhörer zunächst über die Örtlichkeit neugierig auf das gemacht wird, was das Theater in dieser Anstalt vorhat. Indem die Jugendlichen nach und nach selbst zu Wort kommen, wird auch der Drang des Zuhörers befriedigt, etwas "Außergewöhnliches" zu erleben. Diese geschickte Dramaturgie bindet den Hörer bis zum Ende des Beitrages an die Geschichte und ist damit auch große "Radiokunst".

Nominierte Beiträge (jeweils 250 Euro)
Katja Schubach „Das Leben der Gabriele Stötzer“, Radio OKJ in Jena
und
Lars-Hendrik Setz, Julien Reimer „Wir werden uns nicht beschweren, aber…“, mephisto 97.6 in Leipzig



Kategorie „Bester Beitrag Erwachsene - Fernsehen“

1. Preis (1.500 Euro)
Thomas Richardt „Another world is possible“, Offener Kanal Wernigerode

Die Fahrt von sechs Sozialarbeitern aus dem Harz in die namibische Partnerregion um Katutura.  Zu schildern, wie die Menschen in Namibia, in dieser ehemaligen Kolonie Deutschlands heute leben.
Genau hinschauen, ohne Sentimentalität darüber berichten und sich auf das Notwendige beschränken. Das ist der Anspruch, den die Produzenten dieses Fernsehbeitrages haben. Ausgangspunkt ist die bereits seit acht Jahren bestehende Freundschaft des Ilsenburger Vereins Kultur und Bildung e.V. mit dem "Sup-Kitchen" e.V. in Katutura. Bild und Ton sind angemessen dokumentarisch und lassen dem Betrachter genügend Raum für eigene Gedanken. Präzise dargestellt werden sowohl das Elend als auch die Schönheit der Natur und die Kraft der Menschen, die heute in Namibia leben. Dabei wird deutlich, dass es in Namibia viele Menschen gibt, die genügend Energie haben dieses, ihr eigenes Leben zum Bessern zu verändern. Vorausgesetzt, dass Freundschaft auch Freundschaft ist und die Unterstützung in Projekte fließt, die schlimmste Not lindern hilft, und die eben auch Hilfe zur Selbsthilfe bietet.
Mit einfachen Mitteln, Fotografien und Video-Sequenzen in Szene gesetzt, wird dieser Bericht mehr als ein Reisebericht. Er ist ein Statement für praktische Hilfe und die Notwendigkeit, die Gegebenheiten Namibias, dem man helfen will, genau zu kennen, damit die Bevölkerung stolz seinen eigenen Weg finden kann und nicht von Almosen abhängig wird. 

Nominierte Beiträge (jeweils 250 Euro)
Conrad Winkler „Verdammt heiß hier“, Offener Kanal Wettin
und
Christian Rabending „Die Grille und die Ameise“, SAEK Magazin (Dresden Fernsehen)




Kategorie Sonderthema „Europa und die Region“
Sponsor: KPMG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (je 500 Euro)

Hörfunk
Florence von der Weth „30 Jahre Lebenslaute“, Radio LOTTE Weimar

Das Feature „30 Jahre Lebenslaute“ stellt eine bemerkenswerte Initiative des zivilen, gewaltfreien Ungehorsams sehr lebendig vor. Das Feature überzeugt nicht nur durch das gezeigte Thema, es ist technisch und handwerklich außerordentlich gut produziert. Dezent eingesetzte Hintergrundmusik unterstützt die ausführliche und tiefgründige Erzählweise des Features. Durch den professionellen Gesamteindruck lädt das Feature auch die Hörer, die von diesem Thema bisher noch nichts gehört haben, zur Beschäftigung mit dem Thema ein. Die radiophonen Mittel sind präzise gewählt und perfekt eingesetzt. Das hat die Jury überzeugt.



Fernsehen     
Viktoriia Bilash, Hovhannes Martirosyan „Eurocamp 2016 – Reformation 2.0“, Offener Kanal Magdeburg

Leider gibt es sehr wenige überzeugende und animierende Berichte von praktisch gelebter europäischer interkultureller Austauscharbeit, diese Dokumentation zum Eurocamp gehört zu den zu lobenden Ausnahmen. Dabei zeigt die Gestaltung des Beitrags schon selbst die gute und partizipative Beteiligung der verschiedenen Nationalitäten.
Die Lebendigkeit wie auch die durchgängige Botschaft der Sendung steht gegen die Verkürzung der vorherrschenden Europadiskussionen auf Eurokrise, Brexit und erlaubtem Krümmungswinkel der Gurke. Weiter so, gute Botschaften kann es wahrlich nie genug geben.



LÄNDERPREISE SACHSEN (je 500 Euro)

Hörfunk      
Sarah Müller „Slow Fashion – Kleidung wird grün“, Webradio des SAEK

Der von Optimismus und Hoffnung getragene Beitrag zeigt auf, was im Bereich der Kleidung möglich wäre, wenn sich hier auch ein Bewusstsein entwickeln würde, wie es in anderen Bereichen, zum Beispiel bei Nahrungsmitteln, schon auf dem Weg ist. Die Autorin bringt uns viele Facetten einer Branche näher, mit denen sich viele von uns wahrscheinlich noch nicht wirklich beschäftigt haben. Der in Mode gekommene Begriff „Nachhaltigkeit“ bedeutet bei Kleidung ja auch, dass die Qualität und damit auch die Lebensdauer von größerer Bedeutung sind, als bei der Wegwerf-Kleidung. Sarah Müller regt uns, auf sachliche und informative, dabei auch erfrischend knappe Weise, zum Nachdenken an.

Fernsehen       
Lea Hardock – Dokumentation „Eisenbahnstraße“, SAEK Magazin (Leipzig Fernsehen)

Eigentlich selbstverständlich und banal, aber die Dokumentation überzeugt so klar, weil sie nicht nur eine sein will, sondern auch wirklich eine ist. Sie ordnet nicht ein, vergibt keine Noten, nein, sie lädt ganz unterschiedliche Menschen der Eisenbahnstraße in Leipzig ein, sich zu äußern, unaufgeregt, mal nachdenklich, mal spontan. Das Bild zu runden, bleibt Sache des Zuschauers. Auch deshalb ist dieser Streifen so ungeheuer sympathisch, die Interviewten werden zu ihren eigenen Botschaftern und geben ein für mich wahrlich einladendes Bild ihres Quartiers.




LÄNDERPREISE SACHSEN-ANHALT (je 500 Euro)


Hörfunk
Christina Brinkmann „Erinnerung an die Opfer der NS-‚Euthanasie‘“, Radio Corax Halle

Die denkwürdige Thematik wurde radiogerecht aufbereitet, in dem die Sprecherin eine kurze und klare, eine eindrucksvolle Darstellung der systematischen Ermordung von kranken Menschen im NS-Regime der Hörerschaft nahebringt. In verständlichen, nahegehenden Worten werden die unfassbaren Akte der Unmenschlichkeit und deren Hintergründe, sowie deren historisch-politischer Zusammen¬hänge deutlich. Der dramaturgische Bogen ist die Suche nach der Geschichte der Menschen, deren Namen sich auf den Stolpersteinen finden. Der gelungene Beitrag verbindet Geschichte mit aktueller Kritik am Umgang mit Opfern des NS-Regimes, durch die geschickte Einbindung von O-Tönen der Ansprachen offizieller Vertreter der Bundesrepublik zu Gedenktagen. Der Beitrag endet mit einem klaren Statement und schließt so auch den Bogen zu aktuellen gesellschaftlichen Phänomenen, indem auf die Wichtigkeit und Wertigkeit von Sprache und der Bedeutung von Worten aufmerksam gemacht wird, nämlich der Erkenntnis, dass es nur ein kleiner Schritt "von der Barbarei der Sprache zur Barbarei der Taten" ist. Vielfältig und genau recherchiert ist damit ein beispielgebender, eindrucksvoller Radiobeitrag gelungen.

Fernsehen
Anne-Katrin Zimmermann „MILCH – von der Kuh zum Automaten“, Offener Kanal Merseburg-Querfurt

Ein flott geschnittener Beitrag über die Kuh hinter dem Milchautomaten. In nachvollziehbaren Schritten wird gezeigt, warum ein Milchautomat, bei dem die Milch vom Verbraucher selbst in die Flaschen abgefüllt werden kann, eine echte Alternative zur Massenmilchproduktion von Großmolkereien und Superlandwirtschaftsbetrieben ist. Skeptikern wird von vorn herein der Wind aus den Segeln genommen, indem gezeigt wird, dass Hygiene und Verbraucherschutz an erster Stelle stehen. Landwirtschaft heißt hier, dass die Kühe tatsächlich fast glücklich sind und sie so gepflegt werden, dass ihre Milchleistung artgerecht ist und die Euter keinen Schaden nehmen. Es ist, wie allseits immer gewünscht, ein regionaler Verkauf. Findige Bauern machen sich damit etwas unabhängig von den existenzbedrohenden Großabnehmerpreisen. Der direkte „Draht zum Kunden“ fördert das gegenseitige Kennenlernen, und auf lange Sicht den beiderseitigen Austausch von Wünschen und Bedürfnissen. Ein schönes Beispiel, produziert von einer jungen Frau, die selbst zur Kundin wurde.
Ein sehr gelungener Beitrag, der es schafft für ein gutes Produkt zu werben ohne Werbung zu sein!




LÄNDERPREISE THÜRINGEN (je 500 Euro)


Hörfunk
Jan Witte „Alles koscher in Weimar?“, Radio LOTTE Weimar

Eine Bratwurst als Aufhänger für einen Radiobeitrag – das hört sich zunächst eher witzig und vielleicht sogar banal an. Doch diese Wurst ist ein Glücksfall für die Radiomacher von Radio LOTTE. Denn es handelt sich um die erste koschere Bratwurst, die in der Stadt Weimar verkauft wird. Deshalb erntet dieses Lebensmittel nach der traditionellen Schlachtungs- und Herstellungsmethode viel Zuspruch – aber auch teils vehemente Ablehnung in der Bevölkerung. Der Beitrag zeichnet die Genese der Idee, die Vermarktung und die Reaktionen spannungsreich nach. Mit viel Humor wird – vermittelt über die Wurst – Gesellschaft und Alltag in Thüringen reflektiert und die unterschiedlichen Einstellungen kritisch beleuchtet. Das Feature ist sehr gelungen gebaut, verwendet viele aufschlussreiche O-Töne und ist kurzweilig und informativ, vor allem speziell auch für den Kontext der Stadt Weimar, die im Hintergrund immer eine Rolle spielt.

Fernsehen
Florian Baierl „Kulturprojekt des Campus Efeuweg – Eine HipHop-Musical-AG tanzt sich bis nach Gera“, Thüringer Medienbildungszentrum der TLM in Gera

Kultur als Botschafter – das ist immer noch ein wichtiges Thema, vor allem was die Kulturvermittlung zwischen unterschiedlichen Ländern, Städten und Regionen betrifft. In dem mittellangen Beitrag des Thüringer Medienbildungszentrums geht es um einen engagierten Berliner Lehrer, der mit seinen recht unterschiedlichen Schüler/-innen aus dem Brennpunkt-Bezirk Neukölln ein HipHop-Musical in Szene gesetzt hat. So vermag es der Pädagoge, an die Interessen seiner Schülern/-innen anzuschließen, zugleich aber auch gemeinsame Arbeit, kulturelle Praxis und tänzerische Fähigkeiten zu integrieren. Dass die Gruppe dann sogar kultureller Botschafter wird, gelingt der Gruppe durch eine Einladung zu einer großen, jährlich stattfindenden Tanzgala im Kultur- und Kongresszentrum in Gera. So können die Kids am Ende nicht nur ihre große gemeinschaftliche Idee verwirklichen, sondern auch andere Kinder und Erwachsene in Thüringen bezaubern und beflügeln, was sowohl für die jungen Berliner/-innen, als auch die Zuschauer/-innen vor Ort zu einem großen Gewinn wird. Diese Entwicklung kann der Beitrag pointiert und mit Ausschnitten aus dem Projekt für den Zuschauer interessant wiedergeben.



Jurymitglieder:

Reinhard Müller
Mitglied der Versammlung der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM)

Torsten Cott
Freier Redakteur beim MDR

Detlef Hecke
Mitglied der Versammlung der Medienanstalt Sachsen-Anhalt

Gerd Köhler
Mitglied der Versammlung der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM)

Prof. Dr. Florian Mundhenke
Universität Leipzig, Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft

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